Dienstag, 13. Dezember 2016

Trump trifft sich mit Elon Musk, Jeff Bezos und weiteren Technologiegrößen [Update]

Wie das Wall Street Journal erfahren haben will, ist für den morgigen Mittwoch ein Treffen in New York geplant, bei dem das Who-is-who der amerikanischen Technologiebranche anwesend sein wird.

Demnach hat Peter Thiel, ein deutschstämmiger Investor und Milliardär, der sich bereits im Wahlkamp für Trump eingesetzt hatte (und damit im Silicon Valley eine absolute Ausnahme darstellte), das Treffen mitorganisiert. Er ist Mitglied von Trumps Übergangsteam und berät den gewählten Präsidenten in Technologiefragen. Thiel und Musk kennen sich bereits aus Paypal-Zeiten.

 
Mit Jeff Bezos wird ein weiterer Raumfahrt-Unternehmer anwesend sein. Der Amazon-Chef verfolgt mit seiner Firma Blue Origin eine ähnliche Strategie wie Musk mit SpaceX, den Zugang zum Weltraum durch wiederverwendbare Raketen erschwinglicher zu machen.

Existierende bzw. geplante Trägerraketen: Modelle von SpaceX und Blue Origin, u.a. (Bilder: Blue Origin u. SpaceX, vom Autor bearbeitet)

Als weitere Teilnehmer des Treffens werden u.a. die Chefs bzw. führende Vertreter von Google, Apple, Facebook, Microsoft, Intel und IBM erwartet. Ob neben Themen wie Digitalisierung/Automatisierung, Abbau von Innovationshindernissen/Regulierungen, Freihandelspolitik, Umweltstandards etc. auch das Raumfahrtprogramm bei dem Treffen eine größere Rolle spielen wird, und ob Musk bzw. Bezos sich dazu entsprechend äußern werden, ist offen. Aber immerhin haben die Chefs der beiden führenden privaten Raumfahrtfirmen hier die vielleicht einmalige Chance, Trumps Sicht der Dinge nachhaltig zu beeinflussen.

Update 14.12.16:

Wie Reuters berichtet, wird Elon Musk nun sogar Mitglied des Beratergremiums, das Trump in Wirtschafts- und Technologiefragen beraten soll. Musk hatte sich vor der Wahl recht kritisch über den neuen Präsidenten geäußert.
Einen viel direkteren Zugang kann es für den SpaceX-Chef also gar nicht geben. Nun liegt es an ihm, zu überzeugen, und an Trump, offen für neue Ideen zu sein.


Mittwoch, 23. November 2016

Internet-Satellitenprojekt von SpaceX gibt Lebenszeichen

SpaceX hat bei der zuständigen Regierungsstelle einen offiziellen Antrag zur Genehmigung seines gigantischen Satellitenprojekts eingereicht.

Zuletzt war es still geworden um die Pläne von SpaceX, den Globus aus dem All flächendeckend mit schnellem Internetzugang zu versorgen. Elon Musk selbst sagte kürzlich, das Vorhaben habe derzeit keine Priorität. Auch von Gwynne Shotwell (Präsidentin von SpaceX) hörte man Ähnliches.
Dennoch ist das Projekt ganz offensichtlich nicht tot: Am 15. November ging bei der FCC (Federal Communications Commision, diese Regierungsstelle kümmert sich in den USA um die Regulierung des Kommunikationsmarkts) ein Antrag von SpaceX zur Genehmigung der besagten Satellitenkonstellation ein.

Die Dimensionen des Vorhabens sprengen dabei alles bisher Dagewesene: Sage und schreibe 4425 Satelliten soll das Netzwerk am Ende umfassen. Zum Vergleich: Derzeit umkreisen insgesamt ca. 1400 aktive Satelliten die Erde.

SpaceX wird die Kommunikationssatelliten an einem eigens dafür geschaffenen Standort in Redmond selber entwickeln. Ein Hauptziel dabei wird sein, die Herstellungskosten möglichst niedrig zu halten. Die Satelliten werden eine Masse von knapp 400 Kilogramm haben und damit deutlich kleiner als klassische Kommunikationssatelliten in einer geostationären Umlaufbahn sein, die mehrere Tonnen wiegen können. Die ersten 1600 Exemplare sollen die Erde in einer Höhe von 1150 Kilometern umkreisen, weitere 2825 Satelliten werden sich in Umlaufbahnen zwischen 1110 und 1325 Kilometern Höhe bewegen.

Selbst wenn man von optimistischen Annahmen ausgeht, was die zukünftigen Startkosten für Falcon 9 und Falcon Heavy angeht, kommt man zu dem Ergebnis, dass es mehrere Milliarden Dollar kosten wird, eine solche Satellitenkonstellation aufzubauen - die Kosten für die Entwicklung der Satelliten und entsprechender Empfänger für Endverbraucher noch nicht mitgerechnet. Selbst Googles Investition in Höhe von einer Milliarde Dollar im Januar 2015, die im Zusammenhang mit den Satellitenplänen steht, dürfte also bei weiten nicht ausreichen.

Zudem gibt es mit Oneweb einen Konkurrenten, dessen Pläne zwar etwas weniger grandios ausfallen (648 Satelliten laut Firmenwebseite, andere Quellen sprechen von bis zu 900 Satelliten), dafür aber anscheinend schon weiter gediehen sind. Airbus entwickelt derzeit die Satelliten für das Projekt, an dem unter anderem auch Virgin-Chef Richard Branson beteiligt ist. Ende 2017 sollen die ersten zehn Exemplare ins All gebracht werden, zwei Jahre darauf könnte die gesamte Konstellation stehen.

Infografik von Airbus zum Oneweb-Projekt

Von SpaceX gibt es keine Informationen, wann das geplante Kommunikationsnetzwerk seinen Betrieb aufnehmen könnte, doch selbst 2020 scheint unter diesen Umständen optimistisch - der Fokus liegt derzeit klar auf anderen Projekten, wie Dragon 2, Falcon Heavy und ITS.


Samstag, 19. November 2016

Update NASA/SLS

Die NASA hat nun offiziell eine Anfrage nach Alternativen und Verbesserungsmöglichkeiten an die Industrie gestellt, welche SLS mit einschließt. Diese umfasst in Auszügen:

Acquisition:
·         Competing exploration services in the mid-2020s timeframe and beyond if the market demonstrates such services are available, reliable, and consistent with NASA architectural needs

·         Public-private partnerships that reduce the costs and risks to the government, potentially including partners that may utilize ESD production facilities or workforce for other purposes
Concept of Operations:
·         Synergies between current (SLS, Orion, and/or EGS) and future systems that can reduce total exploration costs

·         Exploration approaches that evolve, augment, compliment, or enhance activities underway that can reduce total exploration costs, while meeting exploration objectives
Management:
·         NASA requirements, policies, or oversight approaches that are outdated, redundant, or otherwise increase costs and/or inhibit implementation of efficiency improvements.

Im Grunde wird hier das gesamte Projekt (SLS + Orion + zugehörige Systeme) in seiner bisherigen Form zur Disposition gestellt. Firmen wie SpaceX und Blue Origin bekommen hiermit ganz offiziell die Möglichkeit, sich einzubringen und Alternativen aufzuzeigen (etwa die Nutzung von Falcon Heavy und New Glenn). Die Deadline ist der 23. Dezember; vermutlich gerade noch rechtzeitig, bevor die Trump-Regierung erste Entscheidungen in Sachen NASA trifft.

Ungewisse Zukunft: SLS auf der Startrampe (Bild: NASA)




Donnerstag, 17. November 2016

Die NASA unter Trump: Wie geht es weiter?

Bis auf weiteres wird kein Übergangsteam der kommenden Trump-Regierung bei der NASA vor Ort sein. Derweil sorgt die Behörde schon für einen möglichen Kurswechsel vor.

Einem von SpaceRef veröffentlichten internen NASA-Schreiben zufolge hat das Trump-Lager noch keine Leute abgestellt, um das weitere Vorgehen in Sachen Raumfahrtprogramm vor Ort zu planen, Zitat: "The President-Elect Transition Team (PETT) has indicated that NASA will not be receiving an Agency Review Team (ART) at this time. NASA, as all federal agencies, stands ready to support the PETT at a future date."

Das muss nicht heißen, dass die NASA nicht trotzdem Thema im Trump-Team ist. Ob daraus folgt, dass Raumfahrt für Trump eine untergeordnete Rolle spielt, kann man, obwohl wahrscheinlich, ebenfalls nicht mit Sicherheit sagen: Selbst das Verteidigungsministerium wartet noch auf einen Anruf von Trumps Leuten.

Auch Berichte, nach denen Bob Walker das Übergangsteam für die NASA leitet, scheinen sich nicht zu bewahrheiten. Der normalerweise gut informierte Keith Cowing von nasawatch.com will erfahren haben, dass Walker selbst dies verneint hat.

Lori Garver, die selbst als Kandidatin für den NASA-Chefposten unter einer Regierung Clinton galt, geht derweil davon aus, dass Mark Albrecht das Übergangsteam führt. Albrecht war Vorsitzender des National Space Council unter Bush Sen. und erlebte das Scheitern von dessen Space Exploration Initiative mit. Zusammen mit Dan Goldin (NASA-Chef von 1992 - 2001) war er verantwortlich für das "faster, better, cheaper"-Paradigma, unter dem die NASA in den 90ern Erfolge wie Pathfinder verbuchen konnte, aber auch Fehlschläge erlitt ("Mars Climate Orbiter", "Mars Polar Lander").
Sollte Albrecht tatsächlich beteiligt sein, könnte das bedeuten, dass für die NASA größere Veränderungen bevorstehen.

Bislang gibt es von Trump und seinen Leuten recht vage Aussagen, Amerikas Raumfahrtprogramm wieder "groß" machen zu wollen, etwas konkreteres Lob für die Zusammenarbeit mit privaten Firmen, und viel Kritik an Klimaforschung bei der NASA. Was das in der Praxis für die amerikanische Raumfahrtpolitik der nächsten vier Jahre bedeutet, ist offen.

Bei der NASA scheint man aber, was das bemannte Programm angeht, Alternativen zu SLS und Orion zumindest in Erwägung zu ziehen. Wie ars technica berichtet, hat man die Industrie um Input gebeten, wohl auch um den Orion-Hersteller Lockheed Martin unter Druck zu setzen. Demnach könnte Orion unter Umständen durch ein alternatives Modell von SpaceX oder Boeing ersetzt werden. Sogar SLS scheint nicht unantastbar. Allerdings hat dieses Milliarden-Projekt mit Senatoren wie Richard Shelby (Vorsitzender des Haushaltsausschusses, der u.a. die Mittel für die NASA bewilligt) und Jeff Sessions (enger Verbündeter von Donald Trump) sehr starken politischen Rückhalt, so berechtigt die Kritik daran in der Sache auch sein mag.

Zur Frage, wer neuer NASA-Chef werden könnte, kursieren derzeit die Namen James Bridenstine und Scott Pace. Bridenstine ist ein Kongressabgeordneter aus Oklahoma, gerade drei Jahre im Amt, der sich sehr für Raumfahrtthemen interessiert, aber bisher keine Erfahrung bei der Leitung größerer Regierungsbehörden hat. Pace kam unter Bush Jun. zur NASA und setzte sich immer wieder für eine Rückkehr zum Mond ein. Auch Newt Gingrich, ein früher Unterstützer Trumps, hat sich wiederholt dafür stark gemacht: Der umstrittene Politiker warb im Wahlkampf 2012 für den Aufbau einer Mondbasis. Daher scheint es möglich, dass das offizielle Hauptziel der NASA in den nächsten Jahren wieder der Mond sein wird (statt wie derzeit der Mars).

Eine interessante Querverbindung zu Elon Musk (und damit SpaceX und der Vision einer Marskolonie) könnte sich über Peter Thiel ergeben. Der Silicon Valley-Unternehmer war zusammen mit Musk Mitglied der so genannten PayPal-Mafia und hatte im Wahlkamp Partei für Trump ergriffen. Er soll Trump in Technologiefragen beraten und könnte in dieser Rolle Musk die Tür öffnen für eine groß angelegte Kooperation der NASA mit SpaceX bei der Verwirklichung von Musks Marsplan.

Letztlich muss man aber betonen, dass dies alles im Moment nur Spekulation ist. Jedes Mal, wenn ein neuer NASA-Chef gesucht wird, kursieren diverse Namen, von denen sich am Ende (logischerweise) alle bis auf einen als falsch erweisen. Und niemand kann sagen, wie der neue Präsident letztlich in der Frage "Mond oder Mars" entscheiden und wer oder was ihn dabei leiten wird. Insbesondere dann nicht, wenn dieser Präsident Donald Trump heißt.


Donnerstag, 27. Oktober 2016

Clinton oder Trump: Was sind ihre Pläne für das US-Raumfahrtprogram?

Die NASA und das amerikanische Raumfahrtprogramm spielen im diesjährigen Präsidentschaftswahlkampf praktisch keine Rolle. Allerdings gibt es Hinweise, wie die Raumfahrtpolitik der USA unter einem Präsidenten Trump oder einer Präsidentin Clinton aussehen könnte.

Sucht man auf den offiziellen Webseiten der beiden Kandidaten nach einer Position zu NASA, Raumfahrt etc., so wird man enttäuscht. Weder Trump noch Clinton geben dort ein offizielles Statement zum Thema ab.
Etwas ergiebiger ist ein Neun-Punkte-Fragenkatalog von SpaceNews Magazine, den beide Kandidaten beantwortet haben. Insbesondere Trump gibt sich hier äußerst wortkarg, Clintons Antworten fallen ausführlicher aus, erschöpfen sich jedoch oft in leeren Phrasen.
Trump (oder wer auch immer die Antworten für ihn verfasst hat) beschränkt sich im wesentlichen darauf, das Raumfahrtprogramm im Grundsatz zu loben, macht aber keine konkreten Aussagen zum NASA-Budget oder zum langfristigen Ziel einer bemannten Marsmission. Dies müsse man alles nach der Wahl und in Zusammenarbeit mit dem Kongress klären.
Beide Kandidaten äußern sich lobend über die Zusammenarbeit von öffentlichem Sektor und Privatwirtschaft und erwähnen die Erfolge bei der Versorgung der ISS durch private Anbieter. Clinton sagt explizit, dass dieser Ansatz fortgeführt werden sollte und erwähnt auch die Wiederverwendbarkeit von Trägersystemen zur Kostensenkung.

Weit aufschlussreicher, was die Haltung des Trump-Lagers angeht, sind zwei Meinungsartikel (vom 19. und 24. Oktober) von Robert Walker und Peter Navarro, beides Berater des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers. Walker ist ein ehemaliger Kongressabgeordneter, der in dieser Funktion auch eine führende Rolle in Raumfahrtfragen innehatte und schon seit Jahrzehnten im Beratungsgeschäft tätig ist. Navarro ist Professor für Betriebswirtschaft.
Die beiden loben in den höchsten Tönen private Firmen wie SpaceX, ULA und Blue Origin und betonen die Notwendigkeit einer noch stärkeren Zusammenarbeit von staatlicher Seite und privaten Firmen. Diese müsse die Grundlage des gesamten Raumfahrtprogramms sein.  Die NASA solle sich vor allem auf den "tiefen Weltraum" konzentrieren, bemannte Missionen zu Zielen im gesamten Sonnensystem bis Ende des Jahrhunderts seien ihre Hauptaufgabe; Erdbeobachtung und Klimaforschung wären bei anderen Behörden besser aufgebhoben.
Das ISS-Projekt soll nach den Worten von Walker und Navarro weitergeführt werden, allerdings sollen dafür neue Partner ins Boot geholt werden. Was das konkret heißen könnte, zeigt dieser Tweet des (normalerweise ausgezeichnet informierten) Raumfahrt-Journalisten Jeff Foust:

Ob Trump selbst diese Ansicht teilt, ist nicht bekannt. In jedem Fall dürfte es sehr schwierig werden, Widerstände von einflussreichen republikanischen Politikern im Kongress gegen eine solche Einbindung Chinas zu überwinden: Derzeit ist es der NASA nicht einmal erlaubt, direkt mit chinesischen Stellen zu sprechen.

In ihrem zweiten Meinungsartikel widmen sich Walker und Navarro vor allem dem militärischen Aspekt und betonen in diesem Zusammenhang erneut die zentrale Rolle des privaten Sektors. Insbesondere sollten nicht mehrere Trägersysteme parallel entwickelt werden, die im Grunde das Gleiche leisten; wo es privatwirtschaftliche Angebote gebe brauche es nicht notwendigerweise staatliche Investitionen.
Außerdem müsse der militärische Beschaffungsprozess reformiert werden; eine mögliche Anspielung auf die umstrittene Vergabepraxis der Air Force beim EELV-Programm?

Sehr interessant ist auch, was Walker und Navarro *nicht* erwähnen: Die beiden aktuellen NASA-Großprojekte SLS und Orion.

Auch die Clinton-Kampagne hat sich in den letzten Tagen ausführlicher geäußert. Clinton-Berater Jim Kohlenberger schreibt ebenfalls positiv über die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen und verspricht, wie auch das Trump-Lager, eine bessere Koordinierung aller Raumfahrtaktivitäten der Regierung. Er kritisiert die Absicht einer möglichen Regierung Trump, das Erdbeobachtungsprogramm der NASA einzuschränken bzw. anderen Behörden zu übertragen. Tatsächlich geht es in Kohlenbergers Artikel über drei Paragraphen hauptsächlich um den Klimawandel statt um das Raumfahrtprogramm. Die Aussagen zu letzterem bleiben eher vage: Clinton unterstütze das Commercial Crew Programm, die ISS und Missionen jenseits der Erdumlaufbahn. Wohin bleibt offen.
Kohlenberger erwähnt, dass die USA dabei sind, ihren Anteil am globalen Markt für Satellitenstarts wieder auszubauen; ein Hinweis auf den Erfolg von SpaceX.

Auch in dieser offiziellen Verlautbarung der Clinton-Kampagne kommen SLS und Orion nicht vor. In diesem Zusammenhang sollte folgende Personalie im Blick behalten werden: Lori Garver könnte sich wohl gute Chancen ausrechnen, die Raumfahrtbehörde für eine Clinton-Regierung zu führen. Sie war stellvertretende NASA-Chefin (2009-2013) und hat Hillary Clinton bei ihrer Präsidentschaftskandidatur 2008 beraten, sowie das Übergangsteam für Obama geleitet. Sie hat sich mehrfach höchst kritisch insbesondere über das SLS-Programm geäußert und sich damit viele Feinde gemacht (siehe zum Beispiel dieses Interview).

Natürlich werden die Beharrungskräfte, die für SLS und Orion arbeiten, enorm sein, egal ob Clinton oder Trump ins Weiße Haus einziehen. Es stehen Tausende Arbeitsplätze und lukrative Aufträge für Großkonzerne (Lockheed Martin und Boeing) auf dem Spiel.
Dennoch werden beide Projekte nach der Wahl auf eine harte Probe gestellt werden. Die verantwortlichen Manager müssen dem Übergangsteam des gewählten Präsidenten Bericht erstatten. 2008 war das der Anfang vom Ende für das Constellation-Mondprojekt. Der Umstand, dass sowohl Trump als auch Clinton bisher kein klares Bekenntnis zu SLS/Orion abgegeben haben, lässt eine Wiederholung zumindest möglich erscheinen.


Samstag, 22. Oktober 2016

Europa scheitert erneut am Mars

Der Schiaparelli-Lander der ESA ist auf der Marsoberfläche zerschellt. Es ist der zweite Fehlschlag nach der misslungenen Beagle 2-Mission im Jahr 2003.

Landungen auf dem Roten Planeten gelten als außerordentlich schwierig. Zurecht, wie sich nun erneut gezeigt hat. Es ist nun so gut wie sicher, dass das Landemanöver am 19. Oktober nicht wie geplant funktioniert hat und Schiaparelli über dem Mars abgestürzt ist.
Der amerikanische Mars Reconnaissance Orbiter hat die wahrscheinliche Absturzstelle aus der Umlaufbahn fotografiert. Die Aufnahme wurde mit einer niedrig auflösenden Kamera gemacht, detailliertere Bilder sollen folgen. Es ist darauf ein dunkler Fleck zu erkennen, der als die Stelle interpretiert wird, an der Schiaparelli aufgeschlagen und explodiert ist - die Tanks waren noch voll, da sich die Triebwerke nach der geglückten Eintrittsphase wohl zu früh abgeschaltet hatten. Außerdem ist auf dem Bild der Bremsfallschirm auszumachen.

Bei dem hellen Punkt unten rechts handelt es sich wahrscheinlich um den Fallschirm (Bild: NASA)

Trotzdem wird die ESA wertvolle Daten aus diesem misslungen Versuch gewinnen: Schiaparelli hat während der letzten Phase seines Flugs 600 MByte Daten an die TGO-Sonde übermittelt, die immer noch ausgewertet werden.
Zumindest dieser Teil der Mission verläuft erfolgreich: Der Trace Gas Orbiter befindet sich in einer Marsumlaufbahn und kann seine Forschungsmission beginnen. Dabei soll vor allem nach Methan in der Atmosphäre gesucht werden, ein mögliches Zeichen für Leben auf dem Planeten.


Mittwoch, 19. Oktober 2016

Internationale Raumfahrtnachrichten

Chinesische Raumfahrer erreichen Raumstation - Europäisch-russische Marsmission - Antares fliegt wieder


https://www.welt.de/wissenschaft/weltraum/article158813896/China-schickt-Taikonauten-zum-Himmelspalast-ins-All.html

"China spricht bei seinen Raumfahrtambitionen von einem Drei-Stufen-Plan: Zuerst die Technologie entwickeln, um Menschen sicher ins All und zurück zu bringen, danach Andockmanöver im All, wie sie jetzt erprobt werden und schließlich etwa ab 2022 eine große, ständig bemannte Raumstation und Überlegungen für bemannte Missionen zum Mond oder Mars."


http://www.sueddeutsche.de/wissen/raumfahrt-noch-immer-kein-signal-von-schiaparelli-1.3213602

"Warten auf Schiaparelli: Die europäische Raumsonde gestaltet ihre Landung weiter spannend. Das Landegerät hat eine fast 500 Millionen Kilometer lange Reise zum Nachbarplaneten hinter sich und ist Teil der Mission Exomars, welche die europäische Weltraumorganisation Esa gemeinsam mit Russland unternimmt.
Doch noch immer ist unklar, ob der Lander funktionstüchtig auf dem Mars aufgesetzt ist."


http://spaceref.com/international-space-station/orbital-atk-successfully-launches-the-antares-rocket-on-its-return-to-flight.html

"In a successful return to flight, Orbital ATK launched the upgraded Antares rocket with the Cygnus spacecraft on a resupply mission to the International Space Station."


 

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Obama: Menschen zum Mars in den 2030er Jahren

Der scheidende Präsident hat sich überraschend zum Raumfahrtprogramm der USA geäußert. Zusätzliche Mittel gibt es aber nicht.

http://edition.cnn.com/2016/10/11/opinions/america-will-take-giant-leap-to-mars-barack-obama/index.html

Schöne Worte, die jedoch ohne Wirkung verhallen werden. Auch wenn eine bemannte Marsmission seit Jahren das offizielle Langzeitziel der NASA ist, hat die Behörde bislang keinen konkreten Plan vorgelegt, wie das Vorhaben verwirklicht werden soll, geschweige denn eine realistische Finanzplanung dafür. Intern peilt die NASA eine Marslandung für 2039 an, wohl vor allem deshalb, um so Obamas Vorgabe ("30er Jahre") zu erfüllen.

Die Obama-Regierung wollte ursprünglich eine komplett neue Schwerlastträgerrakete entwickeln und das Constellation-Mondprogramm der Vorgängerregierung restlos streichen. Private Anbieter sollten eine immer größere Rolle spielen.

Präsident Obama und Elon Musk 2010 in Cape Canaveral (Bild: NASA)

Stattdessen wurden auf Druck von Politikern aus dem US-Kongress mit dem SLS und Orion Projekte ins Leben gerufen bzw. fortgeführt, deren Hauptzweck wohl in der Sicherung von Arbeitsplätzen besteht (bei etablierten und lobbystarken Raumfahrtkonzernen wie Boeing und Lockheed Martin sowie NASA-Einrichtungen wie dem Marshall Spaceflight Center).

Beide Projekte zusammen haben bis heute weit über 20 Milliarden Dollar gekostet; noch deutlich mehr, wenn man die Vorarbeiten aus dem Constellation Programm mitrechnet. Dennoch verschiebt sich der Zeitplan immer weiter nach hinten: SLS sollte ursprünglich in diesem Jahr das erste Mal starten, Orion spätestens 2014 einsatzbereit sein; stattdessen ist eine bemannte Mission von SLS + Orion nun realistischerweise nicht vor 2023 zu erwarten. Das Kernproblem, dass es keine finanzierten Missionen für diese Systeme gibt, besteht weiterhin.

Die Obama-Regierung hat immerhin das Commercial Crew Projekt auf den Weg gebracht. Dank dieser Initiative werden die USA wohl ca. 2018 erstmals seit Ende des Shuttle Programms wieder über eigene bemannte Trägesysteme verfügen (Falcon 9 + Dragon von SpaceX und Atlas V + Starliner von Boeing). Das Projekt hatte mit viel Wiederstand aus dem US-Kongress zu kämpfen und erhielt nicht die Mittel, die Obama dafür beantragt hatte.

Davon abgesehen scheint man im Weißen Haus aber zu dem Schluss gekommen zu sein, dass es sich nicht lohnt, den Status quo grundlegend in Frage zu stellen. Obamas Alibiprojekt einer bemannten Mission zu einem Asteroiden tritt seit Jahren auf der Stelle, konkrete Schritte Richtung Mars: Fehlanzeige.

Immerhin spricht der Präsident in seinem Meinungsartikel davon, dass staatliche Stellen und "private innovators" zusamenarbeiten müssten, um den Mars zu erreichen. Eine Anspielung auf SpaceX' Mars-Ambitionen?


Mittwoch, 28. September 2016

Das Marsprojekt

Elon Musk verkündet seinen Masterplan für die Besiedlung des Mars. Nach jahrelangen Spekulationen gibt es nun endlich offizielle Informationen.

Musk ist für ehrgeizige Ziele bekannt. Eines davon: die Menschheit zu einer "multiplanetaren Spezies" zu machen, d.h. konkret den Mars zu besiedeln und damit das langfristige Überleben unserer Art zu sichern oder zumindest sehr viel wahrscheinlicher zu machen. Nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern in den nächsten Jahrzehnten.

Frühestens 2025 könnte erstmals eine Crew auf dem Roten Planeten landen, bevor dann in regelmäßigen Abständen (ca. alle zwei Jahre) erst Hunderte und schließlich Tausende Menschen zum Mars geschickt würden. Jeder Aussiedler müsste 100.000 bis 200.000 Dollar für die Reise aufbringen, etwa der Preis eines durchschnittlichen Hauses in den USA. Zu diesen Preisen wäre die Entstehung einer eigenständigen Kolonie praktisch unausweichlich, so Musk. Das (vorläufige) Fernziel: eine Million Menschen auf dem Mars.

 Der Plan im Überblick

Das so genannte Interplanetary Transport System (bislang unter der Bezeichnung Mars Colonial Transport/MCT bekannt), bestehend aus "Booster" (Hauptstufe) und "Ship" (Raumschiff) ist das Kernstück des Plans. Der Booster beschleunigt das Raumschiff, wendet und fliegt zur Startrampe zurück, um dort punktgenau zu landen. Er erfüllt also praktisch die gleiche Aufgabe wie die erste Stufe der Falcon 9. Das Raumschiff fliegt weiter bis in eine niedrige Erdumlaufbahn. Dort wird es von Tankern mit Treibstoff versorgt. Diese Tanker sind abgewandelte Versionen des Raumschiffs, bei denen der gesamte Innenraum für den Transport von Treibstoff genutzt wird (also minus Frachtraum und Wohneinheit).

Raumschiff und Tanker in der Erdumlaufbahn (Bild: SpaceX)

Voll aufgetankt startet das Raumschiff zum Mars. Auf dem Weg dorthin bezieht es seine Energie über entfaltbare Solarpanele. Am Ziel angekommen tritt das Raumschiff in die Marsatmosphäre ein und bremst auf diese Weise ab. Die Landung erfolgt senkrecht mit Hilfe des Raketenantriebs (also ohne Fallschirme). Auf der Oberfläche wird der Treibstoff für den Rückflug aus der Marsatmosphäre gewonnen. Die Energie für diesen Prozess liefert eine größere Solaranlage. Schließlich startet das Raumschiff zur Erde zurück.

Vollständige Wiederverwendbarkeit

Der Schlüssel für möglichst niedrige Missionskosten ist die Wiederverwendbarkeit aller Komponenten. Da das Raumschiff nur alle 26 Monate zum Einsatz kommen kann (Startfenster Erde-Mars öffnet sich in diesem Abstand) kann es über eine Lebensdauer von vielleicht 30 Jahren nur etwa ein Dutzend Mal wiederverwendet werden. Umso wichtiger ist es daher, dass es bei jedem dieser Flüge ein Maximum an Nutzlast zum Mars befördert. Ermöglicht wird das durch die Betankung im Orbit, welche auch eine maximale Nutzung/Wiederverwendung von Boostern und Tankern garantiert: Für die Booster plant SpaceX eine tausendfache Wiederverwendbarkeit (!).

Wie realistisch diese Kostenschätzung und die zugrundeliegenden Annahmen sind, muss die Zeit zeigen (Bild: SpaceX)


Der Interplanetare Transporter

Das ITS/Interplanetary Transport System ist von seinen Dimensionen her ein wahres Monster: 122 Meter hoch, maximal 17 Meter breit, mit einer Starmasse von 10.500 Tonnen. Es übertrifft die Saturn V-Mondrakete, insbesondere was die Nutzlastkapazität angeht, bei weitem. Unglaubliche 300 Tonnen soll das ITS in eine Erdumlaufbahn befördern können (Saturn V: 135 Tonnen), voll wiederverwendbar wohl gemerkt. Würde man es als Einweg-Rakete (wie die Saturn) nutzen, wären sogar 550 Tonnen möglich. Das sind Zahlen, die so seit den kühnsten Prognosen in der Planungsphase des Apollo-Programms nicht mehr diskutiert wurden.

Das ITS verdeutlich einen Grundsatz des Raketenbaus: je größer, desto effizienter (Bild: SpaceX)

Herzstück des ITS ist das Raptor-Triebwerk: Dieser Raketenantrieb befindet sich derzeit in der Entwicklung, gerade erst gab es die erste Testzündung. 42 (!) Exemplare davon - kreisförmig am Heck des Boosters montiert - werden den Koloss von der Startrampe heben, weitere neun bilden den Antrieb des Raumschiffs.
Raptor wird in etwa so groß sein wie das Merlin-Triebwerk der Falcon 9, dabei aber dreimal so viel Schub produzieren. Möglich wird das durch den enorm hohen Brennkammerdruck von 300 bar. Raptor nutzt einen so genannten full-flow staged combustion cycle. Klingt kompliziert, ist es auch: Nur zwei andere Triebwerks-Prototypen, die nach diesem Prinzip operieren, wurden jemals getestet. Im Grunde geht es darum, dass der mitgeführte Treibstoff zu 100% in die Brennkammer gelangt und somit so effizient wie möglich genutzt wird.
Sollte die Entwicklung erfolgreich verlaufen wird Raptor am Ende etwa so aussehen:

Mit einem spezifischen Impuls von 382 s (im Vakuum) wird Raptor zu den effizientesten Antrieben gehören (Bild: SpaceX)

Das ITS wird nahezu vollständig aus Kohlefaser gefertigt werden, auch das ein Novum. Bisher wurden höchstens einzelne Komponenten von Trägerraketen aus diesem Material hergestellt. SpaceX scheint dabei schon beachtliche Fortschritte erzielt zu haben: Musk zeigte ein Bild von einem Prototypen für die riesigen Tanks des ITS.



Wie geht es weiter?

Was also klingt wie Science Fiction, kann nach der heutigen Präsentation durchaus ernst genommen werden. Hier wurde ein Plan vorgestellt, der konkreter, detailierter und natürlich ambitionierter war, als alles, was man je von der NASA öffentlich zu dem Thema gehört hat.
SpaceX ist schon seit einiger Zeit dabei, den Markt für kommerzielle Satellitenstarts aufzumischen. Erst belächelt, ist das Unternehmen heute der schärfste Konkurrent von alteingesessenen Industriegrößen wie ULA, Arianespace/ASL und ILS und hat dafür gesorgt, dass neue Raketenprojekte von diesen erst angestoßen wurden (Vulcan, Ariane 6).
SpaceX versorgt die Internationale Raumstation mit Fracht und wird in ein bis zwei Jahren auch bemannte Flüge dorthin durchführen.
In anbetracht dieser Erfolge wird SpaceX zwar mittlerweile wohl von niemandem mehr belächelt. Allerdings dürften die heute vorgestellten Pläne für so manchen schwer zu schlucken sein, scheinen sie doch geradezu aus einem Paralleluniversum zu stammen. Wenn Musk davon spricht, dass ihm eine Flotte von 1000 Schiffen vorschwebt, die gemeinsam zum Mars aufbricht ("wie bei Battlestar Galactica") scheint das Lichtjahre entfernt von den trockenen Kosten-Nutzen-Analysen der klassischen Anbieter. Der SpaceX-Chef sagte dann heute auch ganz klar, dass er nur dann eine Zukunft für die Menschheit im All sieht, wenn es eine starke ideologische Motivation gibt, dies zu verwirklichen.

Im Schlussteil der Präsentation wurde es visionär: Das ITS könnte theoretisch das gesamte Sonnensystem erschließen (Bild: SpaceX)

Daneben wird aber natürlich der finanzielle Aspekt entscheidend sein: Auf einer Pressekonferenz nach der Veranstaltung sagte Musk, dass er bereits die NASA vorab informiert habe und dass eine Zusammenarbeit mit der Raumfahrtbehörde eine "gute Sache" wäre. Auf das Internet-Satellitenprojekt von SpaceX angesprochen bestätigte er dieses Vorhaben und seine mögliche Rolle bei der Finanzierung des Marsplans, ging aber nicht weiter darauf ein.
Letzlich hofft Musk wohl darauf, dass, wenn er nur mit gutem Beispiel vorangeht und weiter Erfolge produziert, er mehr und mehr Unterstützung von privater und staatlicher Seite erhalten wird. Zu wünschen wäre es ihm und seinem Team.


Dienstag, 27. September 2016

SpaceX Interplanetary Transport System

Wer sich nicht mehr bis zu Elon Musks Präsentation gedulden möchte, dem kann geholfen werden: Das offizielle Video von SpaceX zum lang erwarteten Plan für eine bemannte Marsmission ist bereits online. Das Ganze als ehrgeizig zu bezeichnen wäre noch stark untertrieben:


Ausführlicher Bericht folgt nach Musks Vortrag heute abend.


Montag, 26. September 2016

Raptor: Erste Testzündung

SpaceX kommt mit der Entwicklung seines methangetriebenen Raptor-Antriebs offenbar voran. Elon Musk twitterte ein Bild vom ersten Test mit einem Prototypen:

Soll einmal die Marsrakete von SpaceX ins All befördern: Raptor auf dem Teststand (Bild:SpaceX)

Am Ende der Entwicklung soll das Triebwerk einmal folgende Leistungswerte erreichen: 
Isp: 382 Sekunden, Schub: 3 MN/310 Tonnen, 300 bar (!) Brennkammerdruck 

Damit wäre Raptor effizienter als jedes Kerosin-Triebwerk und würde den bislang höchsten Brennkammerdruck erreichen. Schubmäßig ordnet es sich zwischen dem Shuttle-Triebwerk SSME (ca. 2 MN) und dem F-1 der Saturn V (ca. 7 MN) ein.

Es wird spekuliert, dass ca. 30 Raptoren die Haupstufe von SpaceX' geplanter Marsrakete antreiben werden. Morgen wissen wir mehr: Um 20:30 Uhr unserer Zeit wird Musk seine Pläne endlich offiziell vorstellen (s. vorangegangener Post).


Samstag, 24. September 2016

Countdown läuft: In drei Tagen präsentiert Elon Musk seinen Plan für eine bemannte Marsmission

SpaceX hat schon mal die Seite für den Webstream des Events online gestellt:

http://www.spacex.com/mars

Zur Erinnerung: Am 27. September wird SpaceX-Chef Musk offiziell seine Pläne für den Aufbau einer Marskolonie der Öffentlichkeit präsentieren, auf dem International Astronautical Congress (IAC) in Guadalajara, Mexiko.




Wahrscheinliche Ursache für SpaceX-Unglück gefunden

Laut einer offiziellen Mitteilung von SpaceX steht die wahrscheinliche Ursache für die Explosion auf der Startrampe am 1. September fest: Demnach handelt es sich um ein Problem an Bord der zweiten Stufe, äußere Faktoren scheiden somit aus.

Ein "großer Durchbruch" ("large breach") im kryogenen Heliumsystem sei der Grund für den Unfall. Im Klartext bedeutet das wohl, dass ein so genanntes Composite Overwrapped Pressure Vessel (COPV), ein Druckbehälter, in dem flüssiges Helium aufbewahrt wird, in die Brüche gegangen ist. Das Helium wird für den Druckaufbau in den Treibstofftanks benötigt.

Auch bei der CRS-7-Mission 2015 nahm das Unglück in der zweiten Stufe seinen Lauf: Hier war ein minderwertiges Bauteil zur Befestigung eines eben solchen COPV die Ursache.

Innenansicht eines LOX-Tanks: Bei den beiden dunklen Strukturen am unteren Bildrand handelt es sich um COPVs (Bild: SpaceX)

Das Ganze muss sich extrem schnell abgespielt haben: von den ersten Anzeichen einer Anomalie bis zum Abriss des Datenstroms dauerte es weniger als eine Zehntelsekunde.

Glücklicherweise scheint sich der Schaden an der Infrastruktur von Startrampe LC-40 in Grenzen zu halten. Die Betankungsanlagen sind beispielsweise größtenteils intakt.

SpaceX arbeitet weiter daran, LC-39A (die ehemalige Startrampe des eingestellten Shuttle-Programms) einsatzbereit zu machen und hofft auf die Wiederaufnahme des Flugbetriebs frühestens im November.


Freitag, 16. September 2016

Blue Origin enthüllt Pläne für orbitale Trägerrakete

Das Raumfahrtunternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos gibt einen Einblick in seine Pläne für die nächsten Jahre.

Bis Ende des Jahrzehnts (also bis Ende 2020) will Blue Origin mit Konkurrent SpaceX gleichziehen und eine orbitale Trägerrakete starten, deren erste Stufe wiederverwendbar sein soll (wie die der Falcon 9). Die  "New Glenn" getaufte Rakete (zu Ehren des Astronauten John Glenn, erster US-Amerikaner im Erdorbit) wird in der zweistufigen Basisvariante ca. 80 Meter hoch sein, die erste Stufe einen Durchmesser von gut sieben Metern haben. Damit übertrifft sie in ihren Dimensionen alle derzeit exisitierenden Trägersysteme, sogar Schwergewichte wie die Delta IV oder die europäische Ariane 5, und kommt der Saturn-Mondrakete nahe:


Amazon-Chef Bezos machte die Ankündigung in einer E-Mail-Mitteilung. Demnach wird bereits seit vier Jahren an der neuen Riesenrakete gearbeitet, die sowohl für den kommerziellen Satellitentransport als auch für bemannte Missionen zum Einsatz kommen soll.
Insgesamt acht BE-4-Triebwerke werden die Rakete ins All befördern, sieben für die erste Stufe, eine vakuumoptimierte Version für die zweite Stufe. Das BE-4-Triebwerk verbrennt flüssiges Methan mit flüssigem Sauerstoff, ähnlich dem Raptor-Antrieb von SpaceX, der ebenfalls noch in der Entwicklungsphase ist.
Für Missionen, die besonders hohe Endgeschwindigkeiten erfordern, soll es eine dreistufige Variante von "New Glenn" geben. Die dritte Stufe soll eine modifizierte Version des bereits existierenden BE-3 Triebwerks nutzen (Flüssigsauerstoff + Flüssigwasserstoff - hoher spezifischer Impuls). Die dreistufige "New Glenn" wäre sogar über 95 Meter hoch.

So beeindruckend das auch scheint: Sowohl Blue Origin als auch SpaceX haben konkrete Pläne für noch deutlich größere Trägerraketen. SpaceX arbeitet bekanntlich an seiner BFR (Big F*cking/Falcon Rocket) für bemannte Marsmissionen und Bezos schließt seine Nachricht mit der beiläufigen Bemerkung, dass man eine Rakete namens "New Armstrong" bereits als nächsten Schritt auf dem Reißbrett habe.

Donnerstag, 15. September 2016

Falcon Update

Anfang dieses Monats explodierte eine Falcon 9 bei einem Test auf der Startrampe. Bei SpaceX hofft man weiterhin, noch in diesem Jahr erneut starten zu können.

  • Gwynne Shotwell, Präsidentin und Chief Operating Officer (Geschäftsführerin) von SpaceX und gewissermaßen Elon Musks rechte Hand, sagte am Dienstag, dass man frühestens im November den Flugbetrieb wieder aufnehmen werde. Der Grund für die Explosion sei weiterhin unbekannt. Vor allem ist nicht klar, ob das Problem bei der Rakete liegt, oder ob äußere Faktoren am Boden ursächlich waren.
  • Der Satellitenbetreiber SES (mit Sitz in Luxemburg) hat SpaceX den Rücken gestärkt und bleibt bei seiner Abmachung für den ersten Start mit einer bereits geflogenen Falcon 9. Diese Mission war für Ende Oktober geplant, muss nach dem Unfall aber natürlich verschoben werden.
  • Der Schwerlastträger Falcon Heavy wird dieses Jahr definitiv nicht mehr zu seinem Jungfernflug abheben; als Startdatum wird nun das erste Quartal 2017 angepeilt.

Das Unglück am 1. September. Es gab keine Toten oder Verletzten. (Quelle: USLaunchReport.com)


Freitag, 2. September 2016

Totalverlust von Falcon 9 bei Test auf Startrampe

Ein trauriger Tag für die Raumfahrt und für SpaceX: Bei den Vorbereitungen für eine Testzündung vor der geplanten AMOS 6-Mission ist die dafür vorgesehene Falcon 9 Trägerrakete auf der Startrampe explodiert. Neben der Rakete wurde auch die Nutzlast vollständig zerstört. Verletzte oder Tote gibt es laut ersten Berichten glücklicherweise nicht. Zur Ursache gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Möglicherweise war ein Problem während des Betankens der zweiten Stufe der Auslöser, doch das ist zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation.

Sicher ist, dass dies ein herber Rückschlag für SpaceX ist, der auch die eigentlich für Ende dieses Monats geplante offizielle Ankündigung der Marspläne zweifelhaft erscheinen lässt. Außerdem ist mit weiteren Starts in diesem Jahr wohl nicht mehr zu rechnen.

Video des Unglücks:


Dienstag, 23. August 2016

Gelandeter SpaceX-Booster wird auf Firmengelände ausgestellt


Hier ein paar Bilder von der gestrigen Aufrichtung aus verschiedenen Quellen im Netz:

(Quelle: Gene Blevins/LA Daily News)

(Quelle: Gene Blevins/LA Daily News)

(Quelle: Gene Blevins/LA Daily News)

(Quelle: Gene Blevins/LA Daily News)

(Quelle: Gene Blevins/LA Daily News)

(Quelle: Gene Blevins/LA Daily News)

(Quelle:reddit-Nutzer "Zucal")

(Quelle: Hans Fredrick Haas/SpaceX-Facebook-Gruppe)

(Quelle: Lee Hopkins)

(Quelle: Logan Sisca/flickr)

Dienstag, 16. August 2016

Angeblich erdähnlicher Planet in nächstgelegenem Sternensystem entdeckt

Wie Der Spiegel erfahren haben will, hat die Europäische Südsternwarte ESO einen Exoplaneten im Alpha Centauri System entdeckt, gut vier Lichtjahre entfernt.

Damit dieser Blog auch mal über etwas anderes als SpaceX (Anmerkung: die jüngste Mission war erneut ein voller Erfolg - einschließlich Landung der ersten Stufe, wovon es leider noch kein Video gibt) berichtet, hier also diese interessanten Neuigkeiten aus der Astronomie:

Anriss der Printversion des Spiegel

Artikel auf SPON

Die Entdeckung wurde mit dem La Silla Teleskop in der chilenischen Atacamawüste gemacht. Der Planet umkreist demnach Proxima Centauri, den uns nächstgelegenen Stern (Entfernung: 4,24 Lichtjahre oder 40.114.640.000.000 Kilometer). Dieser ist Teil eines Dreisternsystems, zusammen mit Alpha Centauri A und B. Bei Proxima Centauri handelt es sich um einen roten Zwergstern, der nur ein Viertausendstel so hell scheint wie unsere Sonne.

Dennoch scheint ihn der nun entdeckte Exoplanet in der so genannten bewohnbaren Zone zu umrunden, in der flüssiges Wasser auf der Oberfläche (und damit vielleicht Leben) möglich ist.

Wir leben - praktisch unbemerkt - in einem goldenen Zeitalter der Entdeckung: bislang sind ca. 4000 Planeten außerhalb unseres eigenen Sonnensystems bekannt (Bild: NASA).

Die ESO will sich Ende August offiziell äußern. Sollten die bislang veröffentlichten Informationen zutreffen, wäre dieser neu entdeckte Exoplanet wohl ein lohnendes Ziel für das Projekt Starshot.


Montag, 1. August 2016

Zum Mars mit "Apollo 13"-Regisseur Ron Howard

In einem Mix aus Doku und TV-Serie soll eine bemannte Marsmission im Jahr 2033 möglichst realistisch dargestellt werden. Neben einem fiktionalen Part gibt es Interviews unter anderem mit Elon Musk, "The Martian"-Autor Andy Weir und Mars-Urgestein Robert Zubrin.


Howard hat neben "Apollo 13" bereits mit der Miniserie "From the Earth to the Moon" (welche die Mondflüge unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet) unter Beweis gestellt, dass er ein Händchen für Raumfahrtthemen hat. Man darf also hoffen. Bis mindestens November müssen wir uns noch gedulden, dann startet die sechsteilige Serie in den USA. Ob und wann es eine deutsche Fassung geben wird, ist noch nicht bekannt.


SpaceX unterzieht gelandete Stufe dem Härtetest

SpaceX macht Ernst: Die im Mai gelandete Stufe hat ihre ersten drei full duration-Testzündungen hinter sich.

Dabei steht die Raketenstufe, wie im folgenden Video gut zu sehen, aufrecht und wird von einem Aufsatz, der wiederum mit Stahlseilen fixiert ist, am Boden gehalten. Die neun Triebwerke laufen dabei wie bei einer echten Mission über die volle Dauer von zweieinhalb Minuten.


Bisher hat F9-024 (so die interne Bezeichnung) drei solcher Testläufe hinter sich - innerhalb von drei Tagen. Firmenchef Elon Musk meint, dass eine bereits geflogene Stufe nach zehn erfogreichen Tests am Boden als für eine neue Mission qualifiziert gelten könne.
Übrigens gelang mit diesem Booster das Landemanöver zum ersten Mal auf einer Mission mit Ziel Geostationärer Erdorbit. Bei solchen Flügen muss die Stufe zwingend auf der von SpaceX eigens für diesen Zweck gebauten mobilen Plattform im Atlantik landen; für einen Rückflug an die Küste fehlt bei diesem Missionsprofil der Treibstoff. Die Rakete muss bei GEO-Missionen die größten Belastungen überstehen, verglichen mit Flügen in einer niedrige Umlaufbahn. Dass sich der gelandete Booster bisher so wacker schlägt stimmt daher optimistisch.


Samstag, 18. Juni 2016

Missionsziel erreicht, Landung gescheitert

Der jüngste Start der Falcon 9 am 15. Juni war erfolgreich, insoweit als die Kommunikationssatelliten an Bord planmäßig in einen geostationären Erdorbit befördert wurden. Dieses Mal misslang jedoch die Landung der ersten Stufe.

Nach vier erfolgreichen Landungen gibt es einen Dämpfer für SpaceX: Zwar erreichte die Stufe die Seeplattform im Atlantik, setzte dort jedoch mit zu hoher Geschwindigkeit auf. Als Ursache vermutet man bei SpaceX, dass eines der drei zur Landung eingesetzten Triebwerke nicht die vorgesehene Leistung erreichte. Ursache dafür wiederum könnte sein, dass der Flüssigsauerstoff an Bord zu früh verbraucht war. Ob die Stufe nach der Landung explodierte ist nicht klar; im Live-Video war zu sehen, wie sie für einige Sekunden aufrecht auf der Plattform steht, dann bricht die Übertragung ab.

Mittlerweile hat SpaceX ein weiteres Video veröffentlicht, hier die stabilisierte Version:


Es scheint, als wenn die Triebwerke aussetzen, als die Stufe nur noch wenige Meter über der Plattform schwebt. Die Schwerkraft tut das Übrige.

Spätestens wenn die Landeplattform in den Hafen einläuft wissen wir mehr.


Samstag, 11. Juni 2016

Musk: Erster Flug von Marsrakete für 2022 geplant

In einem neuen Interview mit der Washington Post vom 10. Juni finden sich ein paar neue Informationen zu den Marsplänen von SpaceX:

  • erster Flug des MCT (Mars Colonial Transport) soll 2022 erfolgen
  • ab 2018 regelmäßige (unbemannte) Flüge zum Mars (alle 26 Monate) mit Falcon Heavy + Dragon
  • mindestens zwei Starts zum Mars 2020
  • Nutzlasten für die Flüge (wissenschaftliche Experimente und Rover) sollen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt entwickelt werden
  • deutlich günstiger als bisherige Marsmissionen 
  • erste bemannte Mission soll im günstigsten Fall 2024 starten, Landung 2025; an Bord eine Minimalcrew um das Risiko zu minimieren
  • offizielle Präsentation der Missionsarchitektur weiterhin für September geplant 

https://www.washingtonpost.com/news/the-switch/wp/2016/06/10/elon-musk-provides-new-details-on-his-mind-blowing-mission-to-mars/

Red Dragon startet an der Spitze einer Falcon Heavy zum Mars (Bild: SpaceX)


Mittwoch, 8. Juni 2016

SpaceX-Update

Das Raumfahrt-Unternehmen von Elon Musk eilt derzeit von einem Erfolg zum nächsten. Ein Überblick.

Nach der ersten geglückten Landung einer Falcon-Hauptstufe auf einer Seeplattform im April waren auch die beiden nächsten Versuche im Mai erfolgreich. Bei letzteren handelte es sich um Flüge in eine geostationäre Umlaufbahn, was eine höhere Maximalgeschwindigkeit der zu landenden Stufe und knappere Treibstoffmargen bedeutet. Dass die Landungen trotzdem erfolgreich waren, bedeutet, dass SpaceX in Zukunft praktisch bei allen Missionen auf Wiederverwendbarkeit setzen wird.
Mittlerweile hat man nun insgesamt vier Stufen erfolgreich gelandet, drei auf der unbemannten Plattform im Atlantik und eine an Land im Dezember letzten Jahres.

Familienbild im Hangar. Gut zu erkennen: Die Stufe ganz rechts wurde bereits gereinigt. (Bild: SpaceX)

Firmenchef Musk geht mittlerweile von einem relaunch, also einer Wiederverwendung einer bereits geflogenen Stufe im September oder Oktober dieses Jahres aus. Zuvor hatte er noch, wie immer ganz Optimist, von einem Startdatum im Juni gesprochen.

Im folgenden noch zwei sehenswerte Videos, die die beiden Missionen im Mai dokumentieren:

 



Mars 2018

Die zweite große Entwicklung in Sachen SpaceX ist sicher die Ankündigung einer ersten (unbemannten) Mission zum Mars im Jahr 2018. Dafür soll eine "Red Dragon" getaufte Version der Dragon V2-Kapsel zum Einsatz kommen. Dragon soll bereits 2017 US-Astronauten zur ISS befördern, erstmals seit Ende des Space Shuttle Programms wieder von amerikanischem Boden aus - derzeit müssen die Amerikaner Plätze an Bord der russischen Soyuz kaufen.
Red Dragon wird statt mit Fallschirmen oder Airbags mit Hilfe seiner Draco-Triebwerke auf dem Mars landen, ähnlich den Viking-Landern der 70er Jahre (diese waren allerdings deutlich leichter). Sollte dies gelingen wäre das eine wichtige Technologiedemonstration für die Landung noch größerer Nutzlasten, wie sie für bemannte Missionen benötigt würden. Laut Musk sollen während der Startfenster in der Zeit nach 2018 weitere Missionen folgen (d.h. ca. alle zwei Jahre).
Die NASA kooperiert für die Red Dragon-Mission bereits aktiv mit SpaceX.

Möglicherweise wird diese Kooperation noch weit größere Dimensionen annehmen, wenn SpaceX im September seine Pläne für bemannte Marsmissionen offiziell vorstellt. Das bemannte Marsprogramm der NASA ist nämlich, trotz aller PR-Verlautbarungen, praktisch nicht existent. Die offizielle Sprachregelung von einer bemannten Landung Ende der 2030er Jahre kann man getrost ignorieren. Interne NASA-Dokumente konkretisieren das auf 2039 und da ein derartiges Großprojekt noch nie den Zeitplan eingehalten hat, kann man sicher sein, dass es frühestens in den 40er Jahren so weit sein würde.
Elon Musk hat dagegen erst vor einigen Tagen erneut bekräftigt, dass er 2024 als Startdatum für die erste bemannte Mission weiterhin für realistisch hält. Nun ist sicher jedem, der sich bereits etwas länger mit Musk und seinen Projekten beschäftigt, klar, dass es sich dabei bestenfalls um einen groben Richtwert handelt und dass es meistens doch deutlich länger dauert, bis Musks Visionen Wirklichkeit werden. Aber auch bei größeren Verzögerungen ist absehbar, dass SpaceX mindestens ein Jahrzehnt vor der NASA den Mars erreichen könnte. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass es am Ende auf ein gemeinsames Projekt hinauslaufen wird, welches die finanziellen Mittel der NASA mit der Effizienz von SpaceX verbindet. Das wäre jedenfalls sehr zu hoffen.

Red Dragon auf der Marsoberfläche (Bild: SpaceX)



Mittwoch, 1. Juni 2016

Schülerwettbewerb Ideenflug von Airbus

Ein bisschen Nachwuchs-Rekrutierung... to whom it may concern:




Ihr habt lauter tolle und innovative Ideen für den Luft- und Raumfahrtbereich und denkt schon lange darüber nach wie man diesen Bereich effektiver, sicherer oder umweltschonender gestalten könnte? Dann seid ihr beim Schülerwettbewerb "Ideenflug" der Airbus Group genau richtig. Denn hier suchen wir eure Ideen! Was genau gesucht wird und was ihr bei einer Teilnahme beachten müsst findet ihr hier nochmal kurz und knapp zusammengefasst. Wir freuen uns auf eure Beiträge!

x x x  Was wird gesucht? x x x

 In diesem Wettbewerb geht es um zwei Dinge: ums Fliegen und um eure Ideen! Deshalb heißt der Wettbewerb „Ideenflug!“ Die Frage ist also: Was sind Ideen für die Zukunft der Luft- und Raumfahrt? Wie fliegen und reisen wir künftig am Himmel und im All? Die Jury freut sich auf Wettbewerbsbeiträge, die die Luft- und Raumfahrt umweltfreundlicher, effizienter, komfortabler, sicherer und schneller machen. Gefragt sind kleine und große Ideen.

x x x  Wie kann ein Wettbewerbsbeitrag aussehen? x x x  

Teilnahmebeiträge können auf der Internetseite des Wettbewerbs www.airbusgroup-ideenflug.de hochgeladen werden. Das können Texte sein, Fotos, aber auch Videos, Audiodateien, Präsentationen, Bilder und Grafiken. Modelle können postalisch eingereicht werden.


x x x  Wer kann mitmachen? x x x

Mitmachen können alle Schüler zwischen 12 und 18 Jahren. Bewerben können sich Teams von zwei bis fünf Schülern! Auch mehrere Teams aus einer Schul-AG, Schulklasse, außerschulischen Arbeitsgemeinschaft, zum Beispiel in einem Jugendclub oder Verein sind erlaubt.

x x x Was gibt es zu gewinnen? x x x 

Unter allen Wettbewerbsbeiträgen wählt eine Jury zehn Teams aus für den Endausscheid und die Preisverleihung im Herbst in Berlin.  Es werden ein Hauptgewinn, zwei Sonderpreise und 5.000 Euro Preisgeld vergeben. Alle Reise- und Übernachtungskosten sind inklusive.

x x x Wann muss der Beitrag fertig sein? x x x 

Einsendeschluss ist der 16. September 2016.

Mehr Informationen stehen auf der Webseite www.airbusgroup-ideenflug.de bereit. Außerdem steht dort ein downloadbares Informationsblatt bereit, auf dem das Wichtigste nochmals kompalt zusammengefasst ist www.airbusgroup-ideenflug.de/mediabase/pdf/670.p

Noch Fragen?! Dann einfach an:

Lydia Georgi  
Ideenflug-Wettbewerbsbüro 
www.facebook.com/AirbusGroupIdeenflug – Gefällt mir      

Betreut wird der Schülerwettbewerb Ideenflug von:

jungvornweg  Verlag für Kinder- und Jugendkommunikation  
Loschwitzer Straße 13   
01309 Dresden    
Tel. 0351 65698401  
Fax 0351 65698402  

 ideenflug@jungvornweg.de   
www.airbusgroup-ideenflug.de  



Samstag, 9. April 2016

SpaceX gelingt Landung auf Plattform im Ozean

Eine Mission wie aus dem Bilderbuch: Die erste Stufe der Falcon 9 landet sicher auf einem unbemannten Schiff im Atlantik, Dragon auf dem Weg zur ISS

Nach mehreren missglückten Versuchen (zwei davon nur knapp gescheitert) ist es SpaceX mit der CRS 8-Mission zum ersten Mal gelungen, die Hauptstufe der Falcon 9-Trägerrakete auf einer eigens für diesen Zweck gebauten Plattform zu landen. Nachdem sie ohne Verzögerungen von Cape Canaveral in Florida gestartet war, beschleunigte die erste Stufe zunächst die Oberstufe samt Nutzlast auf ca. 7000 km/h, um dann mit Hilfe mehrerer Bremsmanöver die Landezone anzusteuern. Die von SpaceX als ASDS (Autonomous Spaceport Drone Ship) bezeichnete Landeplattform hatte in der Vergangenheit bereits mehrere Bruchlandungen über sich ergehen lassen müssen, doch gestern lief alles glatt: Bei nicht unerheblichem Wellengang setzte die Stufe, auf einem Feuerstrahl reitend, auf dem schwankenden Deck auf.


Bereits im Dezember 2015 war eine Landung an Land geglückt. Das noch deutlich anspruchsvollere Manöver über dem Wasser ermöglicht SpaceX die Wiederverwendung der ersten Stufe auch bei Missionen, für die besonders viel Treibstoff benötigt wird und bei denen ein Rückflug zum Festland somit nicht möglich ist.

Das Hauptziel der Mission war der Transport von wissenschaftlichen Nutzlasten an Bord der Dragon-Kapsel zur Raumstation ISS. Vor allem das aufblasbare BEAM (Bigelow Expandable Activity Module)-Modul von Bigelow Aerospace ist interessant. Damit wird dieses neuartige Konzept zum ersten Mal im Weltraum getetest:


Auf der Pressekonferenz nach dem Start sagte Firmengründer Elon Musk, dass man das ASDS mit der Falcon-Stufe an Bord am Sonntag im Hafen zurückerwarte. Möglicherweise könnte diese Stufe sogar die erste sein, die zum zweiten Mal abhebt: Nach 10 erfolgreichen Testzündungen wäre sie qualifiziert für einen erneuten Start im Juni. Die Stufe, die im Dezember gelandet war, wird voraussichtlich bald auf dem Firmengelände in Hawthorne (Kalifornien) ausgestellt werden. Musk schätzt, dass eine Hauptstufe 10-20 Mal wiederverwendet werden kann, nach einer Generalüberholung sogar 100 Mal.

Musk sagte, er hoffe, dass andere Anbieter in Zukunft ebenfalls auf Wiederverwendbarkeit setzen werden. SpaceX denkt bereits darüber nach, wie auch die Nutzlastverkleidung wiederverwendet werden könnte, diese kostet immerhin mehrere Millionen Dollar. Das kommende MCT (Mars Colonial Transport)-System soll sowieso von Anfang an komplett wiederverwendbar sein. Auch dazu machte Musk eine Bemerkung: Die Präsentation der Marspläne im September werde "unterhaltsam" sein.

Kurz nach der Landung (Bild: SpaceX)



Donnerstag, 18. Februar 2016

NASA plant stärkere Oberstufe für SLS

Was sich schon seit geraumer Zeit angedeutet hatte, ist nun offiziell: Der neue Schwerlastträger SLS soll früher als bislang geplant eine neue, leistungsfähigere Oberstufe erhalten.

Für den ersten, unbemannten Start des SLS im Jahr 2018 (Exploration Mission-1/EM-1) soll weiterhin eine umgewidmete Delta-Oberstufe zum Einsatz bekommen, die so genannte Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS). Bislang war vorgesehen, diese auch für bemannte Flüge zu zertifizieren und wahrscheinlich nur ein einziges Mal für die erste bemannte SLS-Mission (EM-2) Anfang des nächsten Jahrzehnts zu verwenden. Da so eine Zertifizierung (human-rating) geschätzte 150 Millionen Dollar kosten würde und die Stufe danach ohnehin gegen die stärkere Exploration Upper Stage (EUS) ausgetauscht werden sollte, zieht man die EUS nun vor. Die NASA hat intern Weisung gegeben, dass alle Arbeiten für ein human-rating der ICPS mit sofortiger Wirkung gestoppt werden sollen.

Damit wäre die Block 1B-Konfiguration des SLS früher als bislang geplant erreicht. Diese könnte mit einer Nutzlast von deutlich über 100 Tonnen (in LEO) praktisch alle Aufgaben im Rahmen von bemannten Mond- und Marsmissionen erfüllen und würde die angedachte Block 2-Variante (noch stärkere Oberstufe, ca. 130 Tonnen Nutzlast) unter Umständen überflüssig machen.

Block 2 soll um das Jahr 2030 einsatzbereit sein. Ob das SLS-Programm so lange überlebt, ist fraglich.

Allerdings sieht der letzte Woche veröffentlichte Haushaltsentwurf für 2017 eine deutliche Reduzierung der Mittel für das SLS-Programm vor. Schon in der Vergangenheit hat die Obama-Regierung deutlich gemacht, dass sie das Projekt eher halbherzig unterstützt. Die NASA geht aber wohl davon aus, dass der Kongress, wie in vergangenen Jahren auch, in die Bresche springen und den Finanzrahmen aufstocken wird. Schließlich hat die neue Riesenrakete gerade unter den Kongressabgeordneten ihre größten Unterstützer in der Politik, schafft das Projekt doch Tausende von Arbeitsplätzen in deren Heimatstaaten und -bezirken.

Das Kernproblem, dass das SLS bislang eine Rakete ohne Nutzlasten und ohne Mission ist, bleibt unverändert bestehen.

Freitag, 5. Februar 2016

Mond oder Mars: Raumfahrt-Community zerstritten

Seit Jahrzehnten gelingt es nicht, die NASA dauerhaft auf ein neues, langfristiges Ziel festzulegen. Daran wird sich wohl auch nach den nächsten Wahlen nichts ändern. Die jeweiligen Interessengruppen bringen sich bereits in Stellung.

Bei einer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus am vergangenen Mittwoch ließ sich gut beobachten, wie schlecht es um die Langzeitplanung für das staatliche US-Raumfahrtprogramm bestellt ist. Mehrere Experten waren geladen und bescheinigten der NASA, dass ihr Vorhaben, um das Jahr 2040 Menschen zum Mars zu schicken, nicht realistisch ist. Auch die anwesenden Politiker äußerten sich entsprechend kritisch. Die NASA habe weder einen konkreten Plan noch ausreichende finanzielle Mittel, um das Ziel einer bemannten Marslandung tatsächlich zu erreichen.

Allerdings waren auch die Einlassungen der geladenen Fachleute zum Teil abenteuerlich: So zauberte John Sommerer von der John Hopkins Universität wieder einmal die berühmt-berüchtigte 500-Milliarden-Schätzung (für eine bemannte Marsmission) aus dem Hut. Diese Kostenschätzung ist bereits in der Vergangenheit von Leuten wie dem Raumfahrt-Ingenieur Robert Zubrin als völlig übertrieben und unbegründet kritisiert worden und auch SpaceX-Chef Elon Musk plant sicher nicht mit solchen Zahlen.
Auch Sommerers Einschätzung, dass es mindestens noch einige Jahrzehnte, vielleicht ein halbes Jahrhundert bis zur ersten Marslandung dauern würde, passt ganz und gar nicht zu Musks zugegebenermaßen sehr ehrgeizigem Zeitplan: Die erste SpaceX-Mission zum Mars soll 2024 starten.

Sommerer und der ebenfalls geladene Paul Spudis (ein Experte für Mondgeologie) sind offensichtlich vor allem daran interessiert, den Mond wieder ins Zentrum des US-Raumfahrtprogramms zu rücken. Spudis wies denn auch auf die angebliche Notwendigkeit hin, zuerst eine Mondbasis zu bauen, um dort Technologien für eine Marsmission zu testen. Dabei lässt er außer acht, dass zum Beispiel die Antarktis dem Mars in vielerlei Hinsicht ähnlicher ist als der Mond und als Versuchsgelände sehr viel kostengünstiger zu haben wäre. Auch die Möglichkeit, auf dem Mond aus dem dort vorhandenen Wassereis Treibstoff für Flüge zum Mars zu gewinnen wird von Befürwortern einer Marsmission schon seit Jahrzehnten als unnötige Verkomplizierung zurückgewiesen.

Tom Young (ehemaliger Leiter des Goddard Space Flight Center NASA und davor Chef von Martin Marietta) schließlich betonte, dass es der NASA an einem konkreten Plan fehle. Es brauche eine Strategie mit klar umrissenen Zwischenzielen. Ohne einen detailliert ausgearbeiteten Plan, wie das Ziel einer bemannten Marslandung zu erreichen sei, gebe es nach den nächsten Wahlen kaum Aussicht auf Unterstützung durch die neue Regierung. Auch müsse man sich für ein Ziel entscheiden: Eine Marsmission und ein langfristiger Weiterbetrieb der ISS bzw. eine Rückkehr zum Mond seien zusammengenommen nicht realistisch.

Die derzeit von der NASA favorisierte so genannte Asteroid Redirect Mission (ARM) als konkretes, relativ kurzfristig realisierbares Ziel, wurde weder von den geladenen Fachleuten noch von den anwesenden Politikern positiv gesehen, sondern im Gegenteil insbesondere von den Republikanern als überflüssig und nicht zielführend kritisiert. ARM soll mit einer unbemannten Sonde einen Felsbrocken von einem Asteroiden einsammeln und diesen dann in einer Mondumlaufbahn parken, wo er von Astronauten untersucht werden könnte.

Auch nach all der Kritik ist nicht damit zu rechnen, dass die NASA nun darangeht, einen detaillierten, glaubwürdigen Marsplan zu erarbeiten oder dass sich Politik und Fachwelt plötzlich auf ein Ziel einigen und zu einer neuen Verlässlichkeit finden werden; schließlich existiert die Problematik einer erratischen und unbeständigen Raumfahrtpolitik bereits seit Jahrzehnten, mit dem immer gleichen Ergebnis fortwährender Stagnation. Ob sich die Raumfahrtbehörde nach der Präsidentschaftswahl allerdings noch lange auf der derzeit ständig beschworenen "Journey to Mars" befinden wird, darf bezweifelt werden.

Zeit für die nächste Ankündigung?


Donnerstag, 4. Februar 2016

Vortrag von SpaceX-Präsidentin Shotwell - neue Informationen zu Falcon Heavy, Startdaten etc.

Gwynne Shotwell hat auf einer Konferenz der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA zum Thema kommerzielle Raumfahrt ein paar Infohappen verteilt:
  • Die geschätzte Nutzlast der Falcon Heavy muss wohl nach oben korrigiert werden, neue Zahlen gibt es voraussichtlich noch diese Woche; cross-feed könnte doch noch implementiert werden.
  • Der Start von SES-9 ist innerhalb der "nächsten paar Wochen" geplant (das hieße dann spätestens Ende Februar, vielleicht bewahrheiten sich die Spekulationen über eine Verschiebung auf März also doch nicht).
  • SpaceX arbeitet an Verbesserungen für die Falcon 9 - auf Grundlage der Erkenntnisse, die aus der erneuten Zündung der im Dezember gelandeten Stufe gewonnen wurden. 
  • SpaceX produziert derzeit 18 Hauptstufen pro Jahr, nächstes Jahr soll diese Zahl auf 30 gesteigert werden.
  • Die Arbeiten an Startrampe 39A am Kennedy Space Center sind abgeschlossen, so dass sie nun für Starts mit der Falcon 9 und Falcon Heavy genutzt werden kann. Früher starteten von dort die Space Shuttles und die Saturn V.
  • Das bemannte Programm liegt im Zeitplan, der erste Flug ist weiter für 2017 geplant.


Luxemburg plant Rohstoffabbau im Weltraum

Das ist eine echte Überraschung: Der europäische Zwergstaat kündigt an, im großen Stil in einen noch gar nicht existierenden Wirtschaftszweig investieren zu wollen: Die Förderung von Rohstoffen im All.

Die Idee, die praktisch unbegrenzten Ressourcen des Weltraums zu erschließen, ist im Bereich der Science Fiction natürlich schon lange etabliert. Mit der gestrigen Ankündigung aus Luxemburg könnte sie ihrer Verwirklichung ein gutes Stück näher gekommen sein.

Etienne Schneider, Vize-Premierminister und Wirtschaftsminister, gab die Pläne auf einer Pressekonferenz bekannt. Ebenfalls anwesend war Jean-Jacques Dordaine, bis letztes Jahr Chef der ESA.

Rohstoffe im Überfluss, doch noch außer Reichweite: Asteroiden (Bild: DSI)

Die luxemburgische Regierung möchte ihr Land für internationale Raumfahrtunternehmen attraktiv machen, indem sie ein entsprechendes gesetzliches Umfeld für solche Projekte schafft und auch direkt in diese investiert. Laut Schneider hat man bereits Deep Space Industries für das Vorhaben gewinnen können; das 2013 gegründete amerikanische Unternehmen bekommt einen Ableger in Luxemburg. Auch sei man in Gesprächen mit Firmen wie SpaceX und Planetary Resources. Letztere ist wie DSI ganz auf die Rohstoff-Förderung im All ausgelegt und wird unter anderem von Google-Gründer Larry Page finanziell unterstützt.

Dordain wurde bereits im Juli als Berater hinzugezogen und stellte auf der Pressekonferenz die technische Machbarkeit der Pläne heraus: Alle dafür nötigen Technologien seien bereits in der Vergangenheit von den staatlichen Raumfahrtbehörden demonstriert worden, jetzt könne man daraus ein Geschäft entwickeln.

In den nächsten Monaten sollen noch ein Amerikaner und ein Chinese als Berater hinzukommen. Insbesondere die Legalität und internationale Anerkennung eines solchen Vorhabens ist nämlich ein heikler Punkt. Erst im November letzten Jahres war in den USA ein Gesetz verabschiedet worden, dass es amerikanischen Unternehmen erlaubt, Rohstoffe, die sie im All fördern, legal zu besitzen.

Bis zur nächsten ESA-Ministerratskonferenz im Dezember soll ein Finanzierungsrahmen für die neue Initiative festgelegt werden. Dann wird sich zeigen, wie ernst es der luxemburgischen Regierung wirklich ist, denn Taten sprechen bekanntlich lauter als Worte.
Dass man den Vorstoß ernst nehmen sollte, zeigt allerdings schon eine andere Raumfahrt-Erfolgsgeschichte: Der Satellitenbertreiber SES, der heute zu den größten der Welt zählt, wurde 1985 in Luxemburg gegründet.